Agio: Definition, Beispiel & Berechnung

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Agio: Definition, Beispiel & Berechnung

Das Agio ist einer der ältesten Begriffe der Finanzwelt und existiert bereits seit vielen Jahrhunderten. Obwohl auch Privatanleger bei vielen Finanzprodukten mit einem Agio konfrontiert sind, wissen viele von ihnen nicht, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Der vorliegende Beitrag informiert darüber, was unter einem Agio zu verstehen ist, bei welchen Produkten es vorkommt und welche Faktoren Einfluss auf die Höhe des Agios haben. Für Privatanleger ist das Verständnis des Agios von Bedeutung, um Produkte wie Aktien und Fonds miteinander vergleichbar zu machen und keine zu hohen Kosten beim Kauf tragen zu müssen.

Wie ist ein Agio definiert?

Der Begriff „Agio“ stammt ursprünglich aus dem Italienischen. Da das Bankwesen in seiner heutigen Form seinen Ursprung in Italien zu Zeiten der Renaissance hatte, stammen zahlreiche bis heute gebräuchliche Begriffe der Finanzwelt aus der italienischen Sprache. In der wortwörtlichen Übersetzung bedeutet „Agio“ in etwa „Bequemlichkeit“ oder „Spielraum“. Aus dieser Übersetzung erschließt sich jedoch nicht direkt, was unter einem Agio zu verstehen ist.

Unter einem Agio wird in der gesamten Finanzwirtschaft die Differenz zwischen dem Nominalwert einer Münze, einer Banknote oder einem sonstigen Wertpapier und dem tatsächlichen Kurswert verstanden. In der deutschsprachigen Finanzwelt kommen alternativ auch die Begriffe „Aufgeld“ oder „Aufschlag“ zum Einsatz. Ein derartiges Aufgeld wird bei zahlreichen Bank- oder Wertpapiergeschäften einmalig zusätzlich zum Kaufpreis oder Kurswert verlangt. Beim Agio handelt es sich somit um einen Aufschlag auf den Nennwert, der in der Regel in Prozent angegeben wird.

Das Gegenstück zum Agio wird übrigens „Disagio“ genannt. Folglich handelt es sich bei einem Disagio um einen Abschlag. Wenn beispielsweise ein Investor beim Kauf einer Anleihe nur 95 Euro statt 100 Euro bezahlt, beträgt das Disagio fünf Prozent. Da die Anleihe aber trotzdem zu 100 Prozent getilgt wird, stellt das Disagio einen Gewinn für den Investor dar.

Wie wird das Agio berechnet?

Ein einfaches und in der Praxis sehr häufig vorkommendes Berechnungsbeispiel eines Agios:

Der aktuelle Kurs eines Investmentfonds beträgt 200 Euro. Die Fondsgesellschaft verlangt für den Kauf dieses Fonds ein Agio von fünf Prozent. Der tatsächliche Kaufpreis für einen Fondsanteil beträgt somit 210 Euro.

Warum wird ein Agio erhoben?

Die Höhe des Agios wird von einem Kreditinstitut oder einer Kapitalanlagegesellschaft festgelegt. Sie liegt in der Regel zwischen null und sieben Prozent. Das Agio hatte ursprünglich den Zweck, die Vertriebskosten von Banken zu decken. In vielen Fällen dient ein Agio jedoch darüber hinaus dazu, den Gewinn einer Bank oder Fondsgesellschaft zu erhöhen.

Bei welchen Produkten wird ein Agio erhoben?

Das Agio findet in der gesamten Welt des Wertpapierhandels sehr weite Verbreitung, unter anderem bei:

  • der Emission von Aktien
  • der Emission von Anleihen
  • dem Handel mit Fondsanteilen
  • dem Handel mit Optionen
  • dem Devisen- und Sortenhandel
  • der Vergabe von Darlehen.

Für Privatpersonen spielt das Agio in der Praxis bei Aktien- und Anleiheemissionen, der Vergabe von Darlehen und dem Handel mit Fondsanteilen die größte Rolle.

Das Agio bei Aktien- und Anleiheemissionen

Bei der Emission neuer Aktien übersteigt der Börsenwert der Aktien regelmäßig den Wert des bilanziellen Eigenkapitals. Die Differenz zwischen dem Ausgabekurs der Aktien und deren Nennwert ist das Agio. Gemäß Handelsgesetzbuch darf das Agio nicht als gezeichnetes Kapital verbucht werden, sondern muss in die Kapitalrücklage eingestellt werden. Emittiert ein Unternehmen beispielsweise Aktien mit einem Nennwert von 10 Euro für 11 Euro, beträgt das Agio einen Euro. Der Nennwert von 10 Euro wird in der Bilanz als gezeichnetes Kapital verbucht. Das Agio i.H.v. 1 Euro muss in die Kapitalrücklage eingestellt werden. Investoren nehmen bei Aktienemissionen ein Agio in Kauf, da sie darauf setzen, dass künftige Kursgewinne und Dividendenzahlungen die Höhe des Agios wettmachen.

Die Emission von Anleihen erfolgt zwar in der Regel zum Nennwert oder mit einem Disagio (also einem Abschlag), aber auch die Ausgabe von Anleihen über dem Nennwert (also mit einem Aufschlag) ist möglich. Agio und Disagio haben eine direkte Auswirkung auf den Effektivzins der Anleihe, da der Nominalzins vom Nennwert der Anleihe berechnet wird.

Das Agio bei Darlehen

Auch bei der Vergabe von Darlehen werden manchmal Agien erhoben. Bei Darlehen stellt das Agio denjenigen Betrag dar, um den der Rückzahlungsbetrag den Auszahlungsbetrag übersteigt. Nimmst du beispielsweise ein Darlehen i.H.v. 100.000 Euro auf, bekommst jedoch lediglich 95.000 Euro davon ausgezahlt, beträgt das Agio 5.000 Euro (fünf Prozent). Im Privatkundengeschäft ist die Vergabe eines Darlehens mit einem Aufschlag allerdings eher ungebräuchlich. Bei einem Privatkundenkredit werden zur Ermittlung der Gesamtkosten die Zinskosten in der Regel zum Nettodarlehensbetrag addiert.

Das Agio bei Fonds

Privatanleger kommen in der Regel am häufigsten beim Kauf von Fondsanteilen mit einem Agio in Kontakt. Beim Kauf von Anteilen an einem Investmentfonds verlangen fast alle Fondsgesellschaften die Zahlung eines Ausgabeaufschlags, der üblicherweise bis zu sechs Prozent der Kaufsumme beträgt. Bei Geldmarktfonds liegt das Agio in der Regel bei unter einem Prozent. Bei Rentenfonds verlangen Fondsgesellschaften meist ein Agio zwischen zwei und vier Prozent. Das Agio von Aktienfonds beträgt im Normalfall zwischen drei und sechs Prozent. Und bei Immobilienfonds liegt der Ausgabeaufschlag in der Praxis bei ca. fünf Prozent. Direktbanken gewähren ihren Kunden häufig einen signifikanten Rabatt auf den Ausgabeaufschlag vieler Fonds. Nicht selten können Privatanleger bestimmte Fonds bei Direktbanken sogar ohne einen Ausgabeaufschlag erwerben.

Welche Faktoren beeinflussen die Höhe des Agios?

Die Höhe eines Agios hängt im Wesentlichen vom jeweiligen Finanzprodukt, dem allgemeinen Zinsumfeld sowie der Wettbewerbssituation ab. Eine Fondsgesellschaft, die beispielsweise einen Aktienfonds herausgibt, der in seiner Form und Zusammensetzung einzigartig ist, kann in der Regel ein deutlich höheres Agio verlangen als bei einem Investmentfonds, der in direktem Wettbewerb zu vielen anderen Fonds steht. Auch in einem Niedrigzinsumfeld nutzen viele Emittenten von Wertpapieren die Situation, um höhere Agien zu verlangen. Hintergrund dafür ist, dass zahlreiche Großanleger, wie zum Beispiel Banken und Versicherungen, in Zeiten niedriger Zinsen unter Druck stehen, in renditeträchtige Anlagen zu investieren. Beim Fehlen attraktiver Anlagealternativen sind Investoren in der Regel eher bereit, höhere Aufschläge in Kauf zu nehmen. Staaten können sich diesen Umstand bei der Ausgabe von Staatsanleihen zunutze machen und in einem Niedrigzinsumfeld relativ hohe Agien verlangen. Die Höhe des Agios ist für den Emittenten eines Wertpapiers immer eine Gratwanderung zwischen der Erhöhung des eigenen Gewinns und der Abschreckung von Kunden. Bei einem zu hohen Agio bevorzugen Kunden möglicherweise das Produkt eines Wettbewerbers. Bei einem zu niedrigen Agio sind gegebenenfalls die Vertriebskosten des Emittenten nicht gedeckt.

Wo wird das Agio angegeben?

Ein von einem Unternehmen oder einem Kreditinstitut verlangtes Agio muss bei allen Produkten angegeben werden, sodass Investoren darüber Kenntnis erlangen. Beim Verkauf von Fondsanteilen muss das Agio in der Verkaufsbroschüre angegeben werden. Darüber hinaus wird das Agio beim Kauf über das Internet auch auf der Website veröffentlicht. Bei der Emission von Aktien müssen Unternehmen das Agio an diversen Stellen publizieren, unter anderem im Aktien-Zeichnungsschein.