Aktienanleihe: Definition, Erklärung & Beispiele

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Aktienanleihe: Definition, Erklärung & Beispiele

Aktienanleihen sind strukturierte Finanzprodukte, die an der Börse gehandelt werden. Die beliebte Anlageform lockt meist mit hohen Zinsen und dem Versprechen, besonders sicher zu sein. Dabei beruht eine Aktienanleihe immer auf einem sogenannten Basiswert, auf den sich der Kurs der Aktienanleihe bezieht. Steigt der Basiswert, so steigt auch der Wert der Aktienanleihe. Sinkt der Basiswert, kommt es auch bei der Aktienanleihe zu Verlusten, wobei ein Totalverlust möglich ist. Doch wie funktionieren Aktienanleihen im Detail, warum ist die risikobehaftete Anlageform dennoch so populär und für wen eignet sich das Finanzderivat ganz besonders gut?

Aktienanleihe: Definition

Bei Aktienanleihen handelt es sich um Finanzderivate, die an der Börse gehandelt werden und per Definition zur Gruppe der Zertifikate gehören. Dabei haben die Aktienanleihen eine feste Laufzeit und werden – wie andere Derivate auch – regelmäßig verzinst und ausbezahlt. Herausgeber von Aktienanleihen sind meist Banken, wobei die besondere Anlageform mit bestimmten Auflagen verbunden ist. Der Name Aktienanleihe ist dem Aufbau des Produkts geschuldet. So setzt sich eine Aktienanleihe immer aus einer Anleihe und einer Option zusammen. Im Gegensatz zu klassischen Anleihen kann der Herausgeber einer Aktienanleihe die Anleger nicht nur monetär, sondern auch in Form von Aktien bedienen.

Bestandteile einer Aktienanleihe

Eine Aktienanleihe besteht im Wesentlichen aus vier unterschiedlichen Hauptkomponenten, die den Wert und die Struktur der Anleihe bestimmen.

  • Basiswert
  • Couponzins
  • Nominalbetrag
  • Laufzeit

Beim Basiswert handelt es sich um den Wert, auf den sich die Aktienanleihe bezieht. Der Couponzins legt wiederum den jährlichen Zinssatz der Anleihe fest, wobei die Zinssätze meist weit über denen von gewöhnlichen Sparbüchern oder Tagesgeldkonten liegen. Unter dem Nominalbetrag versteht man wiederum den Nennwert der Aktienanleihe, zu welchem diese ausgegeben wird. Schlussendlich verfügt jede Aktienanleihe auch über eine vorab festgesetzte Laufzeit, die in der Regel 12 bis 24 Monate ist.

Erklärung: So funktioniert eine Aktienanleihe

Aktienanleihen weisen noch zwei weitere Charakteristiken auf, die sie von anderen Finanzprodukten unterscheiden. Dabei handelt es sich einerseits um das Bezugsverhältnis und andererseits um die Barriere.

Barriere

Emittenten haben das Recht, in den Vertragsgrundlagen eine bestimmte Barriere festzulegen. Unterschreitet der Kurs des Basiswerts diese Kursschwelle, so ist der Emittent dazu berechtigt, die Auszahlung an die Anleger in der Form von Aktien durchzuführen.

Bezugsverhältnis

Eine Besonderheit von Aktienanleihen ist das Bezugsverhältnis. Entscheidet sich ein Emittent dafür, den Wert der Anleihe in Aktien auszubezahlen, so erhält der Investor genau die Anzahl von Aktien, die vorab durch das Bezugsverhältnis bestimmt wurden. Ist das Bezugsverhältnis beispielsweise 1:20, so erhält der Anleger am Ende der Laufzeit 20 Aktien für eine Aktienanleihe.

Beispiel: Aktienanleihe mit steigendem Kurs

Nennwert: 1.000 Euro
Basispreis: 100 Euro
Couponzins: 7,0 Prozent
Laufzeit: 12 Monate
Bezugsverhältnis: 1:10
Barriere: 98 Prozent

Steht der Basispreis nach Ende der Laufzeit bei 100 Euro, so erhält der Investor 1.000 Euro zuzüglich 70 Euro an Zinsen. Der Anleger hat somit vor Abzug von Steuern und Gebühren einen Gewinn von 70 Euro gemacht.

Beispiel: Aktienanleihe mit fallendem Kurs I

Nennwert: 1.000 Euro
Basispreis: 100 Euro
Couponzins: 7,0 Prozent
Laufzeit: 12 Monate
Bezugsverhältnis: 1:10
Barriere: 96 Prozent

Sinkt der Basiswert am Stichtag auf 96 Euro, so erhält der Anleger nach Ende der Laufzeit 960 Euro in Form von 10 Aktien, da die Barriere unterschritten wurde. Zudem erhält der Investor 70 Euro an Zinsen. Die Investition hat sich somit dennoch gelohnt, da trotz fallendem Kurs ein Gewinn von 30 Euro erwirtschaftet wurde. Der Anleger steht zudem nicht in der Pflicht, die Aktien sofort zu verkaufen. Vielmehr kann er die Aktien behalten und somit seine Chance erhöhen, durch einen zukünftig steigenden Kurs Dividendenzahlungen zu erhalten.

Beispiel: Aktienanleihe mit fallendem Kurs II

Nennwert: 1.000 Euro
Basispreis: 100 Euro
Couponzins: 10,0 Prozent
Laufzeit: 12 Monate
Bezugsverhältnis: 1:20
Barriere: 80 Prozent

Sinkt der Basiswert am Stichtag auf 80 Euro, so erhält der Anleger am Ende der Laufzeit 800 Euro in Form von 20 Aktien. Zudem erhält der Anleger 100 Euro an Zinsen. Schon vor dem Abzug von Steuern und Gebühren erleidet der Investor in diesem Beispiel daher einen Verlust von 100 Euro, wobei wiederum die Chance besteht, die Aktien zu behalten und von einem zukünftigen Kursanstieg zu profitieren.

Welche Risiken bergen Aktienanleihen?

Der Gewinn, der mit Aktienanleihen möglich ist, ist unabhängig von der Höhe des Basiswerts, gedeckelt. Steigt der Aktienkurs über den Nennwert an, so wird der Herausgeber die Auszahlung nicht in Form von Aktien durchführen, sondern den Anlegern den Nominalwert bezahlen. Die Anleger verdienen somit in erster Linie durch den hohen Couponzins. Die Limitierung schützt jedoch nicht Verlusten. Fällt der Kurs unter den Nennwert, so kann der Investor, abhängig von der Barriere, den Anleger auch in Aktien ausbezahlen. Der Investor trägt dabei das Risiko, dass der Kurs der Aktie theoretisch auch auf 0 fallen kann. Somit bergen Aktienanleihen ein weitaus höheres Risiko als herkömmliche Anleihen, wobei Aktienanleihehalter im Falle einer Insolvenz erst nach den Anleihehaltern aus der Insolvenzmasse bedient werden.

Für wen eignen sich Aktienanleihen?

Aktienanleihen werden für gewöhnlich in sehr großen Stückelungen aufgelegt, sodass die Anlageform für private Anleger oftmals weniger interessant ist. Zudem ist es relativ schwierig, die Aktienanleihen über die Börse zu verkaufen, da kein lebhafter Handel mit Aktienanleihen stattfindet. Die Finanzderivate eignen sich daher besonders gut für professionelle Anleger, die über solides Hintergrundwissen verfügen und die Kurse sowie das Risiko gut abschätzen können.

Zusammenfassung

Bei Aktienanleihen handelt es sich um festverzinsliche Wertpapiere mit sehr hohen Zinssätzen. Dank des großzügigen Couponzinses können Anleger dabei auch etwaige Kursverluste ausgleichen. Die Anleihen sind jedoch an bestimmte Bedingungen geknüpft, die vom Herausgeber der Aktienanleihen festgelegt werden. So ist es möglich, dass die getätigte Investition auch in Aktien zurückerstattet wird, wobei das Risiko besteht, dass sich der Aktienkurs gegen 0 bewegt und somit ein Totalverlust entsteht.