Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV): Definition, Berechnung & Interpretation

2009
Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV): Definition, Berechnung & Interpretation

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (kurz KCV) ist eine Kennzahl der Finanzanalyse. Die liquiditätsorientierte Kennzahl wird vor allem von Börsenanalysten und professionellen Investoren für die Bewertung börsennotierter Unternehmen eingesetzt. Das KCV gibt das Verhältnis des Aktienkurses eines Unternehmens zu dessen Cash-Flow an. Es wird somit durch die Division des Kurses einer Aktie mit dem Cash-Flow je Aktie berechnet.

Da in einem Unternehmen unterschiedliche Arten des Cash-Flows existieren, bedarf es für die korrekte Berechnung des Kurs-Cashflow-Verhältnisses der zusätzlichen Angabe, welche Art von Cash-Flow gemeint ist. In der Regel wird für die Berechnung des KCV der operative Cash-Flow verwendet, bei dem die Investitions- und Finanzierungstätigkeit des Unternehmens keine Berücksichtigung findet. Der operative Cash-Flow gilt allgemein als Indikator für die Finanzkraft eines Unternehmens. Mit den im operativen Geschäft generierten Geldmitteln kann ein Unternehmen Schulden tilgen, Investitionen durchführen oder Dividenden an seine Anteilseigner ausschütten. Je höher der operative Cash-Flow, umso größer sind die Möglichkeiten eines Unternehmens, seine Zukunft aktiv zu gestalten.

Beispiel: Kurs-Cashflow-Verhältnis berechnen

Folgende Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens seien angenommen:

  • Umsatzerlöse: 100 Mio. €
  • Materialaufwendungen: 30 Mio. €
  • Personalaufwendungen: 40 Mio. €
  • Abschreibungen auf Anlagevermögen: 10 Mio. €

Der Gewinn des Unternehmens beträgt somit 20 Mio. € (Umsatzerlöse – Materialaufwendungen – Personalaufwendungen – Abschreibungen). Da im Gegensatz zu den Material- und Personalaufwendungen die Abschreibungen auf das Anlagevermögen nicht zahlungswirksam sind, beläuft sich der operative Cash-Flow des Unternehmens auf 30 Mio. €.

Angenommen die Zahl der Aktien des Unternehmens beträgt 5 Mio. Stück, so beträgt der Cash-Flow je Aktie 6 € (30 Mio. € / 5 Mio. Stück).

Des Weiteren sei ein Börsenkurs des Unternehmens je Aktie von 60 € angekommen. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis beträgt in diesem Fall 10 (60 € / 6 €).

Vorteile des KCV gegenüber dem KGV

Häufig wird das Kurs-Cashflow-Verhältnis in der Bilanz-/Unternehmensanalyse ergänzend zum Kurs-Gewinn-Verhältnis (kurz KGV) eingesetzt. Der wesentliche Vorteil des KCV gegenüber dem KGV ist, dass es weniger anfällig für bilanztechnische Manipulationen von Unternehmen ist. Im Gegensatz zum Gewinn lässt sich der Cash-Flow eines Unternehmens nicht durch die Auflösung und Bildung stiller Reserven oder die Änderung von Zahlungszeiträumen „manipulieren“.

Vor allem bei Unternehmen, die ihren Gewinn nach unterschiedlichen Rechnungslegungsvorschriften ermitteln, liefert das KCV eine bessere Vergleichbarkeit als das KGV. Zudem ist das KCV auch in Fällen anwendbar, in denen das KGV aufgrund eines ausgewiesenen Verlustes keinen Sinn ergibt. Mit der stetig wachsenden Verbreitung der internationalen Rechnungslegungsvorschriften für Unternehmen (International Financial Reporting Standards oder IFRS) verlieren die beiden zuletzt genannten Argumente jedoch zunehmend an Bedeutung

Nachteile des KCV gegenüber dem KGV

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis hat jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile gegenüber dem Kurs-Gewinn-Verhältnis. Wie bereits einleitend erwähnt, können in einem Unternehmen verschiedene Cash-Flow-Arten definiert werden, die alle wiederum ihre Vor- und Nachteile als Basiswert für die Berechnung des KCV haben.

Aufgrund von Investitionszyklen und Stichtagsbetrachtungen des Umlaufvermögens unterliegt der Cash-Flow eines Unternehmens in der Regel wesentlich stärkeren Schwankungen als der Gewinn. Vor diesem Hintergrund hat die Ermittlung des KCV nur für ein einzelnes Jahr eine eher geringe Aussagekraft. Eine stärkere Aussagekraft entfaltet das Kurs-Cashflow-Verhältnis erst in einer mehrjährigen Betrachtung.

Sofern der Berechnung des KCV der operative Cash-Flow zugrunde gelegt wird, wird die gesamte Investitionstätigkeit des Unternehmens ausgeklammert. Vor allem bei wachsenden Unternehmen kann sich dadurch ein verfälschtes Bild ergeben.

Schwierigkeiten bei der Ermittlung des KCV

Die Ermittlung des Cash-Flows eines Unternehmens ist eine Stichtagsbetrachtung. Bei börsennotierten Unternehmen wird der Cash-Flow zum Ende jedes Quartals berichtet. Auf dieser Grundlage lässt sich nur alle drei Monate ein aktuelles Kurs-Cashflow-Verhältnis berechnen.

Die größte Schwierigkeit, der sich Börsenanalysten und Anleger gegenübersehen, ist jedoch die Abschätzung zukünftiger Cash-Flows. Vergangene Cash-Flows lassen sich keineswegs einfach in die Zukunft fortschreiben. Veränderungen von Märkten, Wettbewerbslandschaften, Investitionszyklen und sonstigen volks- beziehungsweise betriebswirtschaftlichen Faktoren können sich massiv auf die zukünftigen Cash-Flows eines Unternehmens auswirken. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis ist somit immer nur als Momentaufnahme zu sehen und nicht als Indikator für die Zukunft zu verstehen.

Interpretation des Kurs-Cashflow-Verhältnisses

Professionelle Investoren, Börsenanalysten und Privatanleger sind gleichermaßen permanent auf der Suche nach vermeintlich unterbewerteten Aktien. Als Gradmesser für die Über- beziehungsweise Unterbewertung von Aktien werden verschiedene Kennzahlen eingesetzt, unter denen das Kurs-Cashflow-Verhältnis eine der bedeutenderen darstellt.

Grundsätzlich gilt, je niedriger der Wert des KCV, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der Unterbewertung einer Aktie. Als Faustregel gilt unter Börsenanalysten, dass ein KCV unter 1 als Indikator für eine unterbewertete Aktie gelten kann. KCV-Werte zwischen 8 und 15 gelten im Allgemeinen als „fair“. Werte darüber sprechen eher für eine Überbewertung einer Aktie.

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis kann jedoch von Branche zu Branche sehr unterschiedlich ausfallen. Vor diesem Hintergrund sollten Anleger den KCV-Wert lediglich als groben Richtwert verstehen, der erst in der mehrjährigen Betrachtung und im Vergleich mit Unternehmen derselben Branche eine gewisse Aussagekraft entwickelt.

Wie bei allen anderen Bilanzkennzahlen sollten Anleger außerdem niemals nur dem KCV als einzige Kennzahl vertrauen und sich einen ganzheitlichen Blick bewahren. Der Fallstrick bei der Berechnung des KCV ist, dass zwar der tagesaktuelle Börsenkurs, jedoch der Cash-Flow der letzten 12 Monate herangezogen wird. Verschlechtern sich die Zukunftsprognosen des Unternehmens, wird der Aktienkurs unmittelbar sinken. Folglich wird auch das Kurs-Cashflow-Verhältnis zurückgehen. Anleger, die sich nur auf die Kennzahl KCV fokussieren, könnten in den Aktien des betroffenen Unternehmens ein vermeintliches Schnäppchen erkennen. Tatsächlich kann es sich jedoch um ein Unternehmen mit einer gravierend verschlechterten Zukunftsprognose handeln, dessen KCV sich über einen längeren Zeitraum nicht mehr erholt.