Aktienrückkauf: Definition, Gründe & Beispiel

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Aktienrückkauf: Definition, Gründe & Beispiel

Apple macht es vor: Der iPhone-Hersteller ist nicht nur das wertvollste Unternehmen der Welt, sondern auch die Nummer 1 in Sachen Aktienrückkäufe. Jahr für Jahr gibt der kalifornische Smartphone- und Computerhersteller Milliarden Dollar dafür aus, seine eigenen Aktien zurück zu kaufen. Unter US-Konzernen hat sich der Rückkauf von Aktien zu einem der beliebtesten Verwendungszwecke für überschüssige Finanzmittel entwickelt. Aber auch deutsche Aktiengesellschaften erwerben inzwischen jährlich eigene Anteilsscheine im Wert von mehreren Milliarden Euro zurück.

Wir erklären, was unter einem Aktienrückkauf zu verstehen ist, welche Gründe es dafür gibt, wie er in der Praxis abläuft und welche positiven und negativen Auswirkungen es geben kann.

Was ist ein Aktienrückkauf?

Wie der Begriff bereits zum Ausdruck bringt, erwirbt ein Unternehmen bei einem Aktienrückkauf seine eigenen Anteilsscheine von Aktionären zurück. Dieser Rückkauf emittierter Wertpapiere kann sowohl über Eigenkapital als auch über Fremdkapital finanziert werden. Für einen fremdkapitalfinanzierten Aktienrückkauf nimmt ein Unternehmen einen Kredit auf.

Was sind die Gründe für einen Aktienrückkauf?

Nicht vorhandene Investitions- und Anlagemöglichkeiten

Unternehmen haben vielfältige Gründe für den Rückkauf eigener Aktien. In der Praxis sind zu hohe Liquiditätsbestände häufig ein ausschlaggebender Grund für einen Aktienrückkauf. Vereinfacht gesagt sitzen viele Unternehmen auf zu viel Geld, dass sie weder für Investitionstätigkeiten benötigen, noch in attraktive Anlagemöglichkeiten investieren können. In solchen Fällen bietet sich der Rückkauf eigener Aktien als interessante Alternative zur Verwendung der Finanzmittel an.

Pflege des Aktienkurses

Im Zeitalter des Shareholder Values ist für die meisten Unternehmen die Pflege des Aktienkurses der wichtigste Grund für einen Aktienrückkauf. Wenn eine Aktiengesellschaft Aktien zurückkauft, verringert sie damit die auf dem Markt verfügbaren Anteilsscheine. In der Regel führt dies zu einer Steigerung des Aktienkurses. Manche Unternehmen lösen die Aktien nach dem Rückkauf auf, wodurch die noch auf dem Markt verfügbaren Anteilsscheine abermals im Wert steigen.

Währung für Unternehmensübernahmen

Ein weiterer Grund für einen Aktienrückkauf ist die Verwendung der rückerworbenen Aktien als Akquisitionswährung. In vielen Fällen bezahlen Unternehmen die Übernahme anderer Firmen mit eigenen Aktien. Sofern für eine beabsichtigte Unternehmensübernahme nicht ausreichend eigene Aktien zur Verfügung stehen, muss im Vorfeld ein Aktienrückkauf durchgeführt werden.

Schutz vor Übernahme

Aktienrückkäufe haben in Sachen Unternehmensübernahme noch eine weitere Funktion. Unternehmen, die Angst vor einer (feindlichen) Übernahme haben, können einen Aktienrückkauf als Schutzmaßnahme dagegen einsetzen. Durch einen Aktienrückkauf verringert sich die Zahl der am Finanzmarkt verfügbaren Anteile, während gleichzeitig deren Preis steigt. Beide Effekte erschweren die Übernahme eines Unternehmens.

Vergütungsbestandteil für Mitarbeiter

Seit dem Aufkommen der sogenannten „New Economy“ in den 1990er-Jahren haben sich Aktien vor allem in jüngeren Unternehmen der IT-Branche zu einem festen Bestandteil der Mitarbeitervergütung entwickelt. Mitarbeiteraktien sollen in der Hoffnung auf satte Kurssteigerungen in der Zukunft die Motivation der Belegschaft steigern.

Verkleinerung des Gesellschafterkreises

Aktienrückkäufe können auch eine gesellschaftsrechtliche Motivation haben. Unternehmen, die einen unerwünscht großen Gesellschafterkreis haben, können Aktien gezielt zurückerwerben, um die Zahl der Aktionäre zu verringern. Damit sinkt auch die Zahl der stimmberechtigten Parteien auf der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft.

Verbesserung der Eigenkapitalrendite

Und nicht zuletzt werden Aktienrückkäufe in der Praxis von Unternehmen auch zur Verbesserung der Eigenkapitalrendite eingesetzt. Durch die Reduktion des Grund- bzw. Eigenkapitals steigt der Gewinn pro Aktie und somit die Eigenkapitalrendite.

Wie läuft ein Aktienrückkauf ab?

Beschluss der Hauptversammlung

Bevor der Vorstand die Aktien seines Unternehmens zurückkaufen kann, muss er dafür die Zustimmung der Aktionäre auf der Hauptversammlung einholen. Die Ermächtigung der Aktionäre zum Aktienrückkauf hat jedoch eine Grenze. Eine deutsche Aktiengesellschaft darf maximal zehn Prozent ihres Grundkapitals innerhalb eines Zeitraums von bis zu fünf Jahren zurückkaufen.

Obwohl die Zustimmung der Hauptversammlung zum Aktienrückkauf an einen bestimmten Zweck oder Betrag gekoppelt sein kann, lassen sich deutsche Aktiengesellschaften in der Regel eine Ermächtigung „auf Vorrat“ erteilen. Dies erhöht die Flexibilität des Vorstandes, da er weder konkrete Pläne für ein Rückkaufprogramm entwickeln muss, noch ein solches tatsächlich umsetzen muss. Sofern ein Unternehmen jedoch ein konkretes Aktienrückkaufprogramm plant, muss es dieses öffentlich bekannt geben. Unter welchen Voraussetzungen Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen dürfen, ist im deutschen Aktiengesetz geregelt.

Rückkauf der Aktien

Ein Unternehmen hat zwei Möglichkeiten, eigene Aktien zurück zu erwerben: Entweder über die Börse oder direkt von den Aktionären. An der Börse wird ein Unternehmen beim Aktienkauf wie ein gewöhnlicher Aktionär aktiv. Gibt es an der Börse jedoch zu wenige Kaufgelegenheiten oder scheut das Unternehmen den Preiseffekt an der Börse (der sukzessive Kauf eigener Anteile treibt den Kurs nach oben), kann es seinen Aktionären direkt ein Rückkaufangebot unterbreiten. Üblicherweise bezahlt ein Unternehmen bei einem Aktienrückkauf nicht nur den aktuellen Kurswert, sondern einen Prämienaufschlag. Ein Rückkauf bei Aktionären kann entweder als Festpreis oder als Auktion erfolgen.

Ein Beispiel für einen Aktienrückkauf

Die Auto AG beabsichtigt, die Akku AG zu übernehmen, um ihre Produktionskapazitäten für Elektroautos zu erhöhen. Da die Auto AG nicht über ausreichend Liquidität für eine Übernahme der Akku AG verfügt, will sie einen Aktienrückkauf durchführen. Die Hauptversammlung der Auto AG ermächtigt den Vorstand, Aktien von bis zu fünf Prozent des Grundkapitals zu erwerben.

Zuerst versucht die Auto AG, die Aktien an der Börse zurückzukaufen. Da der Streubesitz jedoch zu gering ist, wendet sich die Auto AG direkt an ihre Aktionäre und macht ihnen das Angebot, die Aktien zum aktuellen Kurs einschließlich eines Aufschlags von fünf Prozent abzukaufen. Eine ausreichende Zahl an Aktionären nimmt das Rückkaufangebot der Auto AG an. Damit verfügt die Auto AG über ausreichend viele eigene Aktien, um die Übernahme der Akku AG mit Aktien bezahlen zu können.

Wie profitieren Aktionäre von Aktienrückkäufen?

Aktienrückkäufe haben eine Reihe von positiven Auswirkungen auf die Aktionäre. In erster Linie profitieren sie von einem gestiegenen Aktienkurs. Durch die Verringerung der Zahl verfügbarer Aktien steigt der Gewinn pro Aktie und damit der Aktienkurs. Ein positiver Nebeneffekt der Kurssteigerung der Aktien ist die Tatsache, dass dieser Wertzuwachs nicht versteuert werden muss. Auch die Dividende steigt bei einer gleichbleibenden Ausschüttungssumme, da sie auf weniger Anteilsscheine aufgeteilt werden muss.

Welche Kritikpunkte gibt es an Aktienrückkäufen?

Trotz der vielen Gründe, die für einen Aktienrückkauf sprechen und der positiven Auswirkungen auf die Aktionäre, sind Rückkäufe ein in der finanzwirtschaftlichen Fachwelt sehr umstrittenes Thema.

Viele Finanzexperten argumentieren, dass Aktienrückkäufe nur einen kurzfristigen Kurssteigerungseffekt auslösen, langfristig jedoch keinen wirtschaftlichen Mehrwert für ein Unternehmen generieren. Für sie sind Aktienrückkäufe ein Symbol der Ideenlosigkeit der Unternehmensführung, die nicht in der Lage ist, wertschaffende Investitionen zu entwickeln.

Die ausbleibende Investitionstätigkeit eines Unternehmens kann sich auch negativ auf das zukünftige Unternehmenswachstum auswirken. Wenn Unternehmen A sein Geld für einen Aktienrückkauf ausgibt, Unternehmen B seine Finanzmittel jedoch in neue Anlagen und Projekte investiert, ist es gut möglich, dass Unternehmen B in den Folgejahren eine deutlich bessere Wachstumsperspektive hat als Unternehmen A.

Kritiker von Aktienrückkäufen monieren auch häufig die Tatsache, dass in erster Linie der Vorstand von Aktiengesellschaften von den Rückkäufen profitiert. Die Vergütung von Vorständen mit Aktien und Optionen hat sich seit vielen Jahren zum weltweiten Standard entwickelt. Die steigenden Kurse nach Aktienrückkäufen belohnen somit vor allem die Vorstände von Aktiengesellschaften.

In Zeiten sehr niedriger Zinsen werden Aktienrückkäufe vielfach über Fremdkapital finanziert. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das Unternehmen profitiert von einer geringen Zinslast während es gleichzeitig die Eigenkapitalrendite und den Aktienkurs steigert. Kritiker argumentieren, dass dieses Spiel nur solange funktioniert, solange die Zinsen niedrig bleiben. Steigende Zinsen könnten das eine oder andere Unternehmen, das zu stark auf kreditfinanzierte Aktienrückkäufe gesetzt hat, in eine finanzielle Schieflage bringen.