Zinseszinseffekt

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Der Zinseszinseffekt ist ein Phänomen, bei dem Zinsen, die auf einen Geldbetrag anfallen, selbst wieder Zinsen erzeugen. Dies führt dazu, dass sich der Betrag, auf den Zinsen gezahlt werden, im Laufe der Zeit exponentiell erhöht.

Berechnung von Zinseszinsen

Hier ist ein einfaches Beispiel: Angenommen, auf einem Sparkonto mit einem Zinssatz von 5 % pro Jahr sind 100 Euro angelegt. In einem Jahr fallen also 5 Euro an Zinsen an. Vorausgesetzt, es werden keine zusätzlichen Geldsummen eingezahlt oder vom Sparkonto auf ein Girokonto oder eine andere Einlagenform übertragen, werden im Folgejahr nicht nur auf die ursprünglichen 100 Euro, sondern auch auf die 5 Euro Zinsen wieder Zinsen gezahlt, was insgesamt 5,25 Euro entspricht. Nach zwei Jahren beträgt das Guthaben also 110,25 Euro und wird erneut zu 5 % verzinst, was einer Rendite von 6,02 Euro entspricht.

Die durch den Zinseszinseffekt anfallende Rendite lässt sich für einen bestimmten Zeitraum mit der folgenden Formel berechnen:

  • Kapital nach Laufzeit = Anfangskapital x (1 + Zinssatz)^Laufzeit

Für dieses Beispiel bedeutet das, dass nach 5 Jahren 100 x 1,05^5 = 127,62 Euro auf dem Sparbuch sind. In diesem Rechenbeispiel ist das nicht viel, aber man kann leicht ausrechnen, welche Auswirkungen der Zinseszinseffekt bei höherem Anfangskapital, höherem Zinssatz und längerer Laufzeit hat.

Zinseszinseffekt bei Darlehen

Der Zinseszinseffekt kann auch bei Schulden auftreten, bei denen Zinsen auf die Schulden gezahlt werden müssen. Die Berechnung ist hier ein wenig komplizierter, weil die Darlehenssumme durch die regelmäßige Tilgung schrumpft. Mit fortschreitender Laufzeit wird der Anteil an den Ratenzahlungen, der auf die Bezahlung der Zinsen entfällt, kleiner und der Anteil, mit dem die Darlehenssumme zurückgezahlt wird, größer. Üblicherweise werden die exakten Berechnungen in einem Tilgungsplan aufgeführt, der zum Darlehensvertrag erstellt wird.

Kritik am Zinseszinseffekt

Die Geschichte kennt viele Beispiele dafür, dass Zinsen und Zinseszinsen auch kritisch gesehen werden. Im europäischen und arabischen Raum ist der Grund dafür das Zinsverbot im Alten Testament. Galt es zunächst für Angehörige des jüdischen Glaubens, wurde es im Christentum und Islam allgemein angewandt.

In der Moderne hat sich die Überzeugung, dass auf zur Verfügung gestelltes Kapital Zinsen erhoben werden können, weitestgehend durchgesetzt. Die Begründung ist, dass die moderne Wirtschaft auf Kredite angewiesen ist und Zinsen ein Anreiz für die Kreditvergabe sind. Damit wird selbstverständlich auch der Zinseszinseffekt angewandt. Es gibt jedoch ökonomische Modelle, die beweisen sollen, dass er nicht zwingend notwendig ist, um eine funktionierende Wirtschaft zu ermöglichen.